Hydrauliköle für Flugzeuge gehören zu den Flüssigkeiten, mit denen der Normalbürger vermutlich selten oder nie in Berührung kommt. Allerdings gibt es technisch versierte Autobesitzer, die den Nutzen dieses Betriebsstoffes für Flugzeuge durchaus kennen - wenn es nämlich um die Hydraulik für automatisch öffnende und schließende Kofferraumklappen geht, beispielsweise.
Ansonsten ist es selbst im Bereich der Privatfliegerei je nach Bauart des Fluggerätes möglich, sicher in die Luft zu gehen und ebenso sicher wieder auf den Erdboden zurückzukommen, ohne dass irgendeine Form von Hydraulikölen in Anspruch genommen wird.
Angesichts der besonderen Bedingungen, unter denen die hydraulischen Systeme im Luftfahrtbereich arbeiten, sind die Anforderungen an die Hydraulikflüssigkeit auch kaum mit denen zu vergleichen, die beim Betrieb eines Minibaggers im heimischen Garten gelten. Neben der Sicherheitsfrage, die zumindest theoretisch im Vordergrund stehen sollte, stellt sich im kommerziellen Luftfahrtbereich die Frage der Ökonomie beim Betrieb einer Flugzeugflotte, zu der Maschinen verschiedener Hersteller und unterschiedlicher Typen gehören.
Bevor ein Öl in einem Flugzeug zum Einsatz kommt, muss der Hersteller der entsprechenden Maschine seine Zustimmung geben. Im Klartext: Das Hydrauliköl wird einer ganzen Reihe von Tests unterzogen, bis seine Brauchbarkeit über jeden Zweifel erhaben ist. In der Praxis handelt es sich meist um die konkurrierenden Flugzeugbauer Boeing und Airbus, deren Produkte den größten Teil des Flugzeugparks der großen Fluggesellschaften stellen.
Eine der wichtigsten Forderungen an die Hydraulikflüssigkeit ist der möglichst hohe Flammpunkt, also die Temperatur, bei der sie in Brand gesetzt werden kann. Der Flammpunkt muss bei 160 Grad Celsius liegen, einige Hersteller geben bei ihrem Öl einen Flammpunkt von 175 Grad Celsius an.
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die Lebensdauer des Öls bedeutsam. Je nach den chemischen Komponenten kann es insbesondere durch Kontakt mit Wasser, zum Beispiel Kondenswasser, zu einer Zersetzung des Öls kommen. Angesichts der Bedeutung von Wärme für chemische Reaktionen tritt dieser Effekt besonders bei hohen Temperaturen auf. Höhere Stabilität der Flüssigkeit, also die "Lebensdauer", zahlt sich in der Luftfahrtbranche durch längere Serviceintervalle aus, was wiederum weniger Personalkosten, kürzere Bodenzeiten und niedrigere Materialkosten bedeutet.
Korrionsschutz ist ein weiterer wichtiger Punkt im Lastenheft für Hydrauliköle für Flugzeuge, auch hier geht um die die Aufnahmefähigkeit von Wasser. Diese sollte möglichst gering sein - technisch wird von einer "Kontamination" durch Wasser gesprochen. Schließlich soll die Hydraulikflüssigkeit nicht nur Kraft innerhalb des hydraulischen Systems übertragen, sie soll durch ihre Schmierfähigkeit die Komponenten des Systems auch vor Abnutzung bewahren.
Fazit: Die Arbeit im Verborgenen der Leitungen ist von höchster Relevanz.